Skripturale Malerei und Graphik

 

 

Archiv – Streng geheim!

Skripturale Malerei und Graphik

von Eberhard Hartwig

05. März – 13. Mai 2018

Eröffnung/Opening: Sonntag, 04.03.2018, 15 Uhr

Begrüßung/Welcome: Albrecht Pyritz, Direktor Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz

Laudatio: Juliana Hellmundt, Kunsthistorikerin/art historian – hier/here

Kurator: Thomas Schubert

Musikalische Umrahmung/Musical framing: „Collec Tiv“

 

Ort/Location: Museum Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz in Neustrelitz, Schloßstraße 12/13, 17235 Neustrelitz, Telefon: 03981 2390999 . Facebook

 

Ein Stasi- oder FBI-Archiv? Bibliothek von Alexandria? Eberhard Hartwig nimmt Bezug auf über 6000 Jahre Schrift-/Kommunikationsgeschichte, von den ersten Bilderschriften über fernöstliche bis zu Geheimschriften. Mit seinen BRIEFEN in Schrift-/Buchrollenform zitiert er ebenso chiffrierte Berichte wie für Fremde nicht lesbare TagebuchAUFZEICHNUNGEN. Was ist aufzeichnungswert und damit bewahrenswert? Wie geht es uns z.B. bei Beschriftungen in Japanisch? Wie fühlen sich Immigranten in Deutschland dabei? Wie kommunizieren wir? Sprache und Schrift formen die Wahrnehmung der Welt jedes Individuums und prägen gleichzeitig seine Verortung darin. In Sprache und Schrift sind Denken und Tun, Autonomie und Kollektivität miteinander verwoben. Als Instrument für Teilhabe und Herrschaft ermöglichen sie Emanzipation und Unterdrückung gleichermaßen.

 

Archive – Top Secret!

Scriptual painting and graphics

by Eberhard Hartwig

A Stasi or FBI archive? Library of Alexandria? Eberhard Hartwig refers to more than 6,000 years of writing / communication history, from the first picture fonts to Far Eastern and cipher texts. With his LETTERS in script / book roll form he quotes as well ciphered reports as for strangers unreadable diary ONTO DRAWINGS. What is worth recording and therefore worth preserving? How we are with captions in Japanese? How do immigrants feel in Germany? How do we communicate? Language and writing form the perception of the world of each individual and at the same time shape its location in it. In speech and writing are thinking and doing, autonomy and collectivity interwoven. As an instrument for participation and domination, they enable emancipation and oppression alike.

Öffnungszeiten/Opening times: Dauer- und Wechselausstellungen täglich / Permanent and temporary exhibitions daily 10 – 18 Uhr

Eintritt/admission charge:    Wechselausstellung  2 € ermäßigt 1 € / Temporary admission: 2 € reduced 1 €

Tageskarte      Familienkarte (2 Erwachsene und max. 3 Kinder) / Day ticket Family ticket (2 adults and a maximum of 3 children) 12,00 €

Erwachsene / Adults     6,00 €

Kinder (ab 12 Jahren) und ermäßigt / Children (from 12 years) and reduced 3,00 €

(inklusive Eintritt Dauerausstellung und Wechselausstellungen, Aufenthalt Stadtbibliothek, Benutzergebühr Karbe-Wagner-Archiv, Aufenthalt in Café und Garten / including entrance permanent exhibition and temporary exhibitions, stay public library, user fee Karbe-Wagner-Archiv, stay in café and garden)

Anfahrt / Directions: mit dem Auto aus Berlin laut Falk-Routenplaner / by car from Berlin loud Falk route planner:

.                                                             115 km = 1:41 Stunden/hours über die B96 und dann B193 / over the B96 and then B193

.                                    mit der Bahn   zur Ausstellungseröffnung am 04.03.2016 ab Oranienburg, ab

.                                    by train            to the exhibition opening on 04.03.2016 from Oranienburg, from 13:11  RE 92428

.                                                             Regional-Express Richtung: Rostock Hbf / Regional Express direction: Rostock main station

.                                                             Ankunft/Arrivals Neustrelitz Hbf 13:58 Uhr

 

Rauminstallation "Archiv . Streng geheim!" . AUFZEICHNUNGEN . BRIEFE, Skripturale Malerei, Museum Kulturquartier Neustrelitz   Rauminstallation "Archiv . Streng geheim!" . AUFZEICHNUNGEN . BRIEFE, Ausschnitt, Museum Kulturquartier Neustrelitz   Rauminstallation "Archiv . Streng geheim!" . AUFZEICHNUNGEN, Ausschnitt, BRIEF XIV und Torso, Schriftzeichen-Stele, beide 2007   Im Foyer weitere Arbeiten, unter anderem: DITTER, 2017, teilweise geschabte Aquatinta, 49 x 32,3 cm

Begrüßung durch Albrecht Pyritz, Direktor Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz, im Veranstaltungssaal, 04.03.2018, Foto: Axel Schöne   Laudatio Juliana Hellmundt, Kunsthistorikerin, 04.03.2018, Foto: Axel Schöne   Duo "Collec Tiv", Musikalische Umrahmung, im Veranstaltungssaal, 04.03.2018, Foto: Axel Schöne   Im Foyer, vor dem Installationsraum, Museum Kunstquartier Mecklenburg-Strelitz, 04.03.2018, Foto: Axel Schöne   Gespräche im Foyer, 04.03.2018, Foto: Axel Schöne   Schauen, Empfinden und Gespräche in der Installation, 04.03.2018, Foto: Axel Schöne   Zwei Arbeiten "2017-10-05" im Foyer, Museum Neustrelitz   Nordkurier, SZ-Neustrelitz, Wenn Schrift Kunst ist und Geheimnisse versteckt, 01. März 2018   Strelitzer Echo, Welt der Schrift: Skriptuale Malerei und Graphik, 03. März 2018, Seite 10   Einladung E. Hartwig, Skriptuale Malerei und Graphik   Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz in Neustrelitz, Schloßstrasse   Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz in Neustrelitz, Hofseite, 10.02.2018   Brief von Martin S., 25.06.2018


Skriptuale Malerei / Zeichnung

 

Zum Vergrößern und für Titel-/Technik- und weitere Informationen klicken Sie bitte auf die Abbildungen. / To enlarge and for Title / technical and further information please click on the pictures.

 

BRIEF VIII, 2006, Rohrfeder, Fett-Tusche, Pigmente auf Papier 1,33 x 7,80 m, Galerie F92: Detail der Rauminstallation.      BRIEF III, 2006, Rohrfeder, Fett-Tusche, Pigmente auf Papier 3,25 x 1,33 m, Galerie F92: Detail der Rauminstallation   ein BRIEF, 2007, Rohrfeder, Fetttusche, Pigmente auf Papier 3,25 x 1,33 m      letzteAufzeichnungen, 2006, Tusche, Öl auf Papier über Zeitpapier, 13,7 x 9,4 cm

 

Weitere Arbeiten werden demnächst eingestellt. / Further work will be set soon.

 


 

Skriptuale Malerei und Graphik

Und jedes geschriebene Blatt / Wort ist ein
Schritt mehr auf dem Weg von mir zu DIR.

AUFZEICHNUNGEN – BRIEFE
                                        – BLÄTTER
                                        – LETTER´s
.                                   Memo´s                                                                                                                                                                                                                    .                                   – NOTATe                                                                                                                                                                                                     .                                   SKRIPTe

„Wiederholung und Erinnerung sind dieselbe Bewegung, nur in entgegengesetzter Richtung.
Denn was da erinnert wird, ist gewesen, wird nach rückwärts wiederholt, wohingegen
die eigentliche Wiederholung nach vorwärts erinnert wird.“ (Per Kierkegaard)

Von den Erinnerungen in Höhlenmalereienund Felszeichnungen all(T)er Kulturen, den frühesten erhaltenen bildlichen Äußerungen der Menschheit über die Buch-Schrift-Geschichte bis zu den heutigen schriftlosen Piktogrammen spannt sich ein Bogen, den ich mit meinen AUFZEICHNUNGEN – BRIEFEN (ca. 100 m2), in Rollenform wie die ersten Niederschriften nach den Stein- und Tontafeln, aufgreife. Arabische und jüdische Universitätsbibliotheken bewahren und nutzen solche immer noch.
Der hiermit vorgestellte, fast täglich wachsende Werkkomplex – zu dem ebenso BLÄTTER, LETTER´s, SKRIPTe und NOTATe (Monotypien, Radierungen und Zeichnungen) gehören – mit welchem ich Anfang der 90er Jahre begann, ist eine einzige, fortwährende Reflexion über Zeit und Raum, das Leben, über das Künstlerische, Menschliche … und über mich selbst. Parallel dazu arbeite ich gegenständlich Eindrücke vor der Natur aufnehmend in Skizzen, Zeichnungen und Kaltnadelradierungen. Diese sind die Grundlage für abstrahierte Zeichnungen und Malerei, Aquatinta- und anderen Radierungen, Holzschnitte, Lithographien sowie Monotypien, welche ich in meinen zwei Ateliers erarbeite.

Meine „Schrift“ ist universell, teilweise nutze ich Zeichen des Arabischen, Lateinischen, Hebräischen, Persischen, Koreanischen u.a., aber auch Piktogramme und stilisierte Tiere, Bäume, Menschen etc. In der organischen Formenvielfalt der SchriftZeichenBilder stecken ebenso Hyroglyphen wie SchriftKritzeleien von Kindern sowie vielerlei Erzählungen, Ambivalenzen zu den täglichen, ja jederzeitigen Eindrücken, die sich bei Selbstreflexion im Duktus sichtbar machen. Die gemalten und gedruckten SchriftBilder sind fernab jeder Illustration ein Dialog von Literatur, Philosophie, Wissenschaft, Kunst und Mythologie. Quasi vom Urbild ins Ab-Bild mit der Möglichkeit des „sowohl als auch“.
Roland Barthes meint in einer Schrift über André Masson, dass die Wahrheit der Schrift erst zutage träte, wenn sie unlesbar sei. Ohne Eingrenzung durch das Wort und Zeichen wird die Geste des Schreibens und das Bild sichtbar. Meine AUFZEICHNUNGEN sind als Bilder zu betrachten. In ihrer vollkommenen Verweigerung der Dechiffrierung sind sie eigene SchriftBild-Äußerungen und sollen im Dialog stehen mit jedem Betrachter, gleich welchem Kultur-Schriftkreis er angehört. Über die sinnliche Wahrnehmung – mit Zwischentönen, ungewohnt, fremd und doch innerlich vertraut, poetisch – sollen diese AUFZEICHNUNGEN ihre Botschaft vermitteln – nicht über den intellektuellen Inhalt. Über die Unmöglichkeit der intellektuellen Dechiffrierung verweise ich auf die Bedeutung der Schrift als bewußter Informationsträger, ihre Geschichte im Ursprung als BilderSchrift sowie auf die ihr innewohnenden Komponenten wie Ästhetik, Rhythmus und Duktus sowie Proportionalität. Es werden heutige digitale Bilderfahrungen zu analogen in Beziehung gesetzt.
Zeichnen, Malen und Schreiben sind eine unmittelbare Lebens-Äußerung, eine Widerspiegelung der Außen- und Innenwelt sowie die emotionale, sinnliche Mitteilung ihrer selbst, die aus einer Position der Stille und Ruhe, und mit vor allem der Verlangsamung im Widerspruch zu gegenwärtigen äußeren Lebensrhythmen steht. Stundenlange meditative Versenkung in den Prozeß des Aufzeichnens oder Lesens innerer, einstmal abgespeicherter (Schrift- und) Bilder. Zeile für Zeile. Im Rhythmus des Eintunkens der Rohrfeder, der Führung der Kohle/Kreide und der Stifte, der Radiernadel oder des Asphaltpinsels – der SchriftBilder, der Zeilen. Ein unendliches Kontinuum des Schreibens wie beim Bibelschreiben früherer Jahrhunderte. Musiker intonierten bereits diese meine Visualisierungen – Akkorde, Rhythmen gleich, die in ihren Umraum hineinklangen, und so das befreiende Maß der Stille danach wieder um so deutlicher erlebbar machten.

Früher schrieben wir lange Briefe, die Autoren die Roman-Manuskripte mit der Hand. Heute wird dies digital erledigt, auch per Diktaphon, und zum Input der Information werden zum Teil sogar bereits eBook-Reader oder Hörbücher eingesetzt. Terminkalender werden digital geführt, emails und Netzwerke wie facebook ersetzen den handgeschriebenen Brief.
Wann schreiben wir noch per Hand? Wo können wir die – verkümmernde – Hand-Schrift bewundern, in ihrer persönlichen Note, Eigentümlichkeit, Ausrichtung? Auf Notiz- und Einkaufszetteln sowie flüchtig hingeschmierten kleinsten Botschaften – dem Empfänger schamvoll oder erwartungsvoll in die Hand gedrückt. Nach Zweckerfüllung werden sie achtlos weggeworfen. Diese Zettelchen, geknüllt und darübergelaufen, von mir seit 2010 gefunden, im Werkkomplex der „Memo´s“ per Vernis mou-Technik in die Platte übertragen, dabei bestimmte Elemente betonend, und gedruckt, lassen uns eintauchen in ein Stückchen Welt des/r unbekannten SchreiberIn, in deren Gedanken, Bedürfnisse oder Empfindungen. Voyeurhaft ist dies nicht, wenn wir uns an dem ästhetischen Schrift-Bild, den Spuren auf dem haptisch-sinnlichen Papier erfreuen.

In frühester Kindheit verschlang ich Bücher, schrieb selbst. In der ersten Ausbildung als Schriftsetzer konstruierten wir Schrift, lernten die Gestaltung damit. Neben meiner Tätigkeit als Maler/Graphiker lehre ich heute unter anderem Kommuniktionsdesignern auch die Schriftgeschichte, Schriftarten (auch „fremde Schriften“ in der Klassifizierung) und Gestaltung. Ich erfahre, wie heute Wissen meist aus dem Internet „erworben“ und ebenso in den „sozialen Netzwerken“ mittels Button – wenn dann – kommuniziert wird. Bücher oder Briefe schreiben bzw. lesen ist in heutigen Zeiten von sozialer Kommunikationsarmut überwiegend „out“. Diesem wird über die Dimension des/meines „Schreibens“ eine Sensibilisierung für die Lust und Pflicht etwas dem Papier anzuvertrauen bzw. zu entnehmen/erlesen entgegengesetzt. Vielleicht: Wissen, Erfahrungen und Empfindungen. – Und das Bewusstsein/die Achtung des Wertes von Reinheit und Ursprünglichkeit von SchriftBildern sowie der Schrift- und Bildträger Papier, Stein, Putz …

Eberhard Hartwig, September 2014

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Entsprechende ausgewählte Arbeiten sind – zur Zeit noch ausschließlich – unter den jeweiligen Techniken zu finden. Hier wie dort werde ich demnächst weitere Arbeiten einstellen.